• Philipp Jochimczyk

7 Fragen, die deinen Mitarbeitern helfen Sinn in ihrer Arbeit (wieder)zu finden

Beim Blick aus dem klimatisierten Büro oder dem nicht ganz so kühlen Home Office hinaus in die flirrende Hitze schweifen die Gedanken ab. Der nächste Sprung in den kühlen See wird herbeigesehnt, quasi schon gespürt. Während die Klänge von spritzendem Wasser und lachenden Kindern so präsent sind dass wir uns zwingen müssen den Blick wieder zurück auf den Inhalt der Präsentation oder die Exceltapete zu richten, deren Fehlersuche im Makro bereits den ganzen Vormittag verschlungen hat. Eine neue Email kommt rein. Wieder, die kurzfristige Bitte noch so schnell wie möglich die letzten Informationen für die nächste Beschlussvorlage an den Vorstand beizusteuern. Ein Schweißtropfen läuft über die Stirn. Die Frage, die immer wieder auftauchte in letzter Zeit ist auf einmal so präsent wie nie: “Für wen mache ich das alles hier eigentlich?”. Schnell beginnen die Gedanken um die großen Fragen zu kreisen.



Im Berufsalltag mit seinen hochspezialisierten Verpflichtungen geht oft die tiefere Bedeutung der Arbeit verloren. Gerade wenn zusätzlich die eigene Tätigkeit von einem vielleicht durchaus Sinn stiftenden Kerngeschäft weit entfernt ist oder der einzige Sinn des Unternehmens im Profit als Selbstzweck liegt. Was tun, wenn der Blick fürs Wesentliche verloren geht? Wir haben aus unserer Praxis wirkungsvolle Fragen zusammengetragen, die euren Mitarbeitern helfen können den Sinn in ihrer Tätigkeit wieder zu finden.


1. Auf welche Sache, die du in diesem Monat gemeistert hast, bist du wirklich Stolz?

Die erste Frage hat gleich mehrere wunderbare Effekte. Zunächst einmal leben wir in einer Kultur, in der wir uns gerne für eigene Erfolge schämen oder zumindest eher die Aufmerksamkeit auf Dinge richten, die nicht gut gelaufen sind. Sprichwörter wie “Eigenlob stinkt!” oder “Hochmut kommt vor dem Fall!” haben in Teilen tiefe Glaubenssätze geprägt, die die eigene Anerkennung für Erfolge unterdrücken. Den Raum zu erhalten, eigene Erfolge benennen zu dürfen und dafür Anerkennung ohne Missgunst zu erfahren ist Balsam für die Seele. Gleichzeitig regt sie dazu an, die eigenen Qualitäten und Stärken zu reflektieren und klarer zu sehen.




2. Was kann ich tun, um für euch ein besserer Team Leader zu sein?

Wirklich gute Team Leader haben verstanden, dass sie für ihr Team da sind und nicht das Team zur Sicherung der Position des Team Leaders. Das eigene Team regelmäßig zu fragen, was man als Team Leader tun kann um noch besser für das Team da sein zu können lässt das Team spüren, dass der gemeinsame Erfolg über eigenen Interessen steht. Das stärkt das Vertrauen in die Zusammenarbeit, hilft dem Team auch unbequeme Dinge anzusprechen die auf der ein oder anderen Seele lasten und spiegelt zusätzlich das eigene Führungsverhalten. Wichtig ist, das Feedback mit offenem Herzen anzunehmen und nach Möglichkeit auch in die Tat umzusetzen.


3. Was ist deine größte Herausforderung im Moment?

Gezielt nach der größten aktuellen Herausforderung zu fragen, hilft den Team Mitgliedern im einzelnen zu reflektieren, welche Nuss eigentlich gerade zu knacken ist. Oftmals fallen dabei im gemeinsamen Gespräch schon erste Lösungsansätze auf. Unsichtbarer Nebeneffekt: Das Team fühlt sich gehört und vor allem auch mit Herausforderungen nicht allein gelassen. Als Team Leader erhältst du außerdem so regelmäßig einen Überblick über potenzielle Fallstricke und Projektrisiken und kannst unterstützen die Herausforderungen zu meistern, bevor sie zu wirklichen Problemen werden.


4. Wenn du der Geschäftsführer wärst, was würdest du anders machen?

Das Gedankenexperiment, selbst Geschäftsführer des Unternehmens zu sein, bewegt deine Teammitglieder dazu eine unternehmerische Perspektive einzunehmen. Geschieht dies regelmäßig, sorgt dies für ein besseres Verständnis der Führungsentscheidungen und Perspektiven. Zusätzlich fördert dies innovatives und lösungsorientiertes Denken aus einem ganzheitlichen Blickwinkel. Team Leader bekommen so auch neue Impulse und Ideen während sich die Teams ernstgenommen fühlen - aufrichtig nach der eigenen Meinung gefragt zu werden tut immer gut!




5. Was können wir tun, damit du erfüllter und erfolgreicher in deiner Rolle sein kannst?

Wie gut kennst du die Bedürfnisse deiner Teammitglieder wirklich? Weißt du, wie erfüllt sie gerade wirklich sind? Direkt danach zu fragen, was die Arbeit deiner Teammitglieder in ihren Rollen erfüllter und erfolgreicher macht kann wahre Wunder wirken. Du lernst dabei nicht nur, wie sie ihre eigene Rolle aktuell wahrnehmen, sondern auch welche Rolle sie eigentlich gerne gestalten oder ausfüllen würden. Gemeinsam kann von hieran an der Rolle gefeilt werden mit positiven Effekten für Engagement und Erfüllung deines Teams.


6. Was wäre eine Sache, die wir tun können um unseren Service / unser Produkt für unsere Kunden zu verbessern?

Für wen machen wir das hier alles eigentlich? Je weiter ein Team mit seinen Aufgaben vom Kerngeschäft und den Kunden entfernt ist, desto schwieriger ist es oft den Sinn in der eigenen Tätigkeit zu erleben. Das eigene Team zu fragen, was eine Sache wäre mit der der Service oder das Produkt für den Kunden verbessert werden könnte bringt nicht nur gute Ideen zum Vorschein, sondern hilft wieder zu spüren, dass das woran gearbeitet wird größer als man selbst ist. Lähmend und energieraubend ist Arbeit vor allem dann, wenn sie sich um sich selbst dreht. Die Kundenperspektive einzunehmen erinnert eine daran, dass das was man tut Bedeutung hat! Diese tiefere Bedeutung in der eigenen Tätigkeit zu kennen, ist es wofür es sich morgens lohnt aufzustehen und von neuem loszulegen.


7. Gibt es ein Projekt, an dem du herzlich gerne Arbeiten würdest, wenn du die Möglichkeit hättest?

Neben Herzensprojekten hat sicher jeder von uns schon Aufgaben oder Projekte auf dem Tisch gehabt, die als heiße Kartoffel übrig blieben und dennoch erledigt werden müssen. Gerade wenn sich solche Tätigkeiten länger hinziehen, kann dies schnell zu einem Energiefresser werden und für schlechte Stimmung sorgen. Regelmäßig zu fragen, wie das ideale Projekt oder eine erfüllende Aufgabe aussehen, hilft besser zu verstehen in welche Richtung sich die Teammitglieder gerne entwickeln wollen. Für sie eröffnen sich dadurch neue Perspektiven und es fällt leichter Projektteams entsprechend der Fähigkeiten, Wünsche und Bedürfnisse zusammenzustellen. Dies wird sich nicht nur in der gesteigerten Erfüllung und dem Engagement der Projektteams wiederspiegeln, sondern auch in besseren Ergebnissen.


Alle oder ein paar der Fragen können regelmäßig abgefragt werden, in dem sie beispielsweise in einen bestehenden Jour Fixe integriert werden. Mit der Zusatzfrage: “Wie erfüllt fühlt ihr euch momentan?” kann auf einer Skala von 1 bis 10 die aktuelle Team Stimmung sichtbar gemacht werden und so gezielter auf die Bedürfnisse eingegangen werden die zu mehr Erfüllung im Berufsalltag führen. Weitere Einblicke in die Eigenschaften erfüllt arbeitender Teams habe ich für euch hier zusammengefasst. Langfristig trägt eine gesteigerte Erfüllung dazu bei, Burn Outs zu vermeiden und erfolgreicher bedeutsame Projekte zu verwirklichen.


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