• Malte Plescher

Wie Purpose mein Leben um 180° verändert hat

Vor zwei Jahren bin ich für die Liebe nach Berlin gezogen. Mit wenigen Ausnahmen habe ich durch den Umzug mein altes Umfeld genauso hinter mir gelassen, wie meinen alten Job. Ich mochte meinen Job: Wir waren ein großartiges Team mit einer offenen Feedbackkultur und vorbildlicher Work-Life-Balance. Trotzdem war meine Entscheidung für die Beziehung die richtige.

Relativ schnell habe ich neue Freundschaften und einen richtig guten Job in einem florierenden Berliner Unternehmen gefunden: Ich bin Software Admin (Mangelware!). Eine meiner liebsten Aufgaben als Expertin: Trainings & Schulungen für neue KollegInnen. Nach dem aufregenden ersten Jahr in Berlin hat sich in meinem Job aber eine gewisse Stagnation eingestellt. Nicht gehaltsmäßig, sondern vielmehr emotional. Das Gefühl kannte ich schon, nur hat es mich dieses Mal stärker betroffen und demotiviert.

Ich sehe keinen richtigen Sinn in meiner Arbeit
Wie fühlt es sich an, wenn man seinen Job nicht als richtig erfüllend wahrnimmt?

Mein Job wurde zum „80% Job“ in meinem ansonsten „100% Leben“ in Berlin.


Über Bekannte habe ich Philipp und Malte kennengelernt. Damals hatten sie noch nicht ihr Unternehmen, dafür aber bereits nebenberuflich Purpose Workshops und Formate entwickelt und angeboten. Ich habe mich mal drauf eingelassen. Was kann schon schiefgehen? Das war vor knapp einem Jahr.

Der Workshop selber begann völlig anders als erwartet. Schon die Vorbereitung darauf war fordernd. Rückblickend hatte ich wohl die stille Hoffnung, dass die beiden mir im Workshop sagen, was „mein Purpose im Leben“ ist. Das war Wunschdenken: Die Purpose Suche ist mit Sicherheit kein Wellness. Die Vorbereitung – Selbstreflektion z. B. zu Herausforderungen und Besonderheiten meines Lebens – war knackig und hat einiges ausgelöst. Etwas Überwindung hat es mich gekostet, mein Umfeld um seine Einschätzung zu bitten. Das war eine der Vorbereitungsaufgaben. Insbesondere bei den Menschen aus meiner alten Heimat. Schon vor dem Workshop hatte ich so die ersten Aha-Momente mit jeder Menge ungeahnter Wertschätzung. Das war sehr schön. Im Workshop selber ging es auch genauso weiter: Viel Selbsterkenntnis, viel Wertschätzung und eine unglaublich bereichernde Gruppendynamik: Nach dem Tag fühlt man sich den anderen Teilnehmerinnen so verbunden, als würde man sich schon ewig kennen.

Das für mich wichtigste Ergebnis im Workshop war es, mein größtes Talent und meine Stärken zu finden und schließlich meinen Purpose zu fühlen. Ich kann gar nicht genau sagen, wie es passiert ist, aber plötzlich kam die Gewissheit einfach aus mir raus. Es war die Mischung aus der Vorbereitung, meiner ganz persönlichen Lebensgeschichte mit allen Ecken und Kanten, den Fragen von Philipp und Malte und all den anderen Teilnehmern an dem Tag. Als mir plötzlich mein Purpose Statement „rausgerutscht“ ist, haben mich die anderen angesehen und gesagt: „Du hast es! Deine Augen leuchten!“ Diese Gewissheit hat direkt etwas in mir ausgelöst. Im vergangenen Jahr haben sich die Wörter noch etwas „zurechtgerückt“ und jetzt ist mein Purpose: „Ich schaffe Vertrauen und Zuversicht für ein angstfreies Miteinander.“


Abgesehen von einem gestärkten Grundvertrauen in mich selber hat sich mein Leben um 180° gedreht, obwohl ich eigentlich nicht viel verändert habe. Die letzte Übung im Workshop war es, eine Aktivität im Alltag aus meiner neu gewonnenen Purpose Perspektive zu beleuchten. Ich habe meine Schulungen gewählt.

„Vor meinem Purpose“ hatte ich das Ziel, als Expertin in den 60 Minuten Schulung die Basics der Software korrekt zu vermitteln. Meine KPIs: Sind alle Fragen beantwortet? Beherrschen alle neuen KollegInnen die 10 Grundfunktionen? Ja? Super. Herzlichen Glückwunsch, die Schulung war erfolgreich. In meinem Purpose kommt „Faktenwissen“ oder „Erwachsenenbildung“ aber gar nicht vor. „Ich schaffe Vertrauen und Zuversicht für ein angstfreies Miteinander.“ Viel natürlicher wäre es also für mich, ein Format anzubieten, dass den neuen KollegInnen die Zuversicht vermittelt, sich in der neuen Umgebung – nicht nur in der Software, sondern im neuen Unternehmen überhaupt – zurechtzufinden und vor Fragen nicht zurückzuschrecken.

Sinn und Erfüllung in Beruf und Arbeit
Purpose hilft mit dem Herzen zu "sehen" und ändert jede Perspektive

Ungefähr einen Monat später habe ich zum ersten Mal meine neue „Purpose-driven Schulung“ durchgeführt. Der neue Name: Building Trust - Today: Salesforce

Anstatt 50 Minuten Faktenwissen und 10 Minuten Zeit für Fragen gibt es jetzt ein sehr kurzes Orientierungskapitel über die „3 magic functions“ und dann eine halbe Stunde „impossible questions“ mit einer Art Erwachsenenversion einer „Telefonschnitzeljagd“. Am Ende haben die Teilnehmer mindestens 5 kompetente KollegInnen kennengelernt, die ihnen im Zweifel weiterhelfen können und wollen. Technische Fragen googelt sowieso jeder selber. Das mache auch ich als Admin noch so.

Mittlerweile habe ich dieses Format etwa 25-mal durchgeführt. Man kann beobachten wie der kleine Perspektivwechsel große Kreise zieht. Es macht nicht nur mir mehr Spaß seit ich meine Aufgaben aus meiner Purpose Perspektive betrachte, es bringt auch den TeilnehmerInnen und dem Unternehmen mehr. Eine offene Kultur erlebe ich als Nebenprodukt der Arbeit von Menschen, die wissen, weshalb sie morgens aufstehen.

Meine eigene Rolle hat sich seither ganz von selbst verändert. Mein neuer Spitzname „Head of Trust“ ist so ein weiteres Nebenprodukt, das verdeutlicht, welchen echten Wert ich mittlerweile für mein Umfeld schaffe. Das ist natürlich Balsam. Darüberhinaus ist es übrigens auch ein völlig unautomatisierbarer und damit zukunftsfähiger Job. Angst vor KI & Co brauche ich also auch nicht zu haben :-)


1.000 Dank für den Perspektivwechsel und „Mut zum Purpose“ an alle, die mit dem Gedanken spielen!


Valeria

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